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  • Mein Auslandssemester in Bahrain
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Die Temperatur auf meinem Handy zeigt stolze 41 °C – im kleinen Königreich Bahrain herrscht gerade trockenes und heißes Klima. Ich überlege, ob ich meinen dreiminütigen Arbeitsweg zu Fuß oder mit dem Auto zurücklegen soll. Eine halbe Stunde später sitze ich bereits im kleinen Ingenieurbüro der p2m berlin, eingepackt in Pulli und Schal, fröstelnd unter der Klimaanlage. Meine Kollegen beschmunzeln mich. Eine heiße Tasse Kaffee gibt es nicht, denn es ist Ramadan und aus Respekt wird im Büro weder getrunken noch gegessen (nur in der kleinen Küche!). Umgeben von Bauplänen für Abwasserkanäle, schaue ich aus den großen Fenstern vom 13. Stock auf Al Seef und zum Teil auf Manama, die Hauptstadt Bahrains, hinab. Die Hochhäuser wechseln sich mit brachliegenden Sandflächen und unzähligen Bauprojekten ab, einige Shoppingmalls tun sich auf, die Highways sind von Palmen umsäumt und einige Dörfer geben sich in der Ferne zu erkennen – der Ausblick meines neuen Arbeitsplatzes, den ich schnell zu schätzen lernte.

Im Rahmen meines dualen Studiums bei den Berliner Wasserbetrieben zur Bauingenieurin bin ich seit Studienbeginn auf die Planung von Abwasserkanälen spezialisiert. Nachdem ich bereits die Vorplanung sowie den Entwurf der Wasserbetriebe kennenlernen durfte, stand in der Praxiszeit meines 4. Semesters ein Auslandsaufenthalt in Bahrain an. Ganze drei Monate ermöglichten mir die Berliner Wasserbetriebe sowie deren Schwesterunternehmen, die p2m berlin, ein Auslandspraktikum in Bahrain zu machen.

In dem kleinen Ingenieurbüro für Kanalabwasserplanung der p2m berlin gab es immer etwas zu tun. Als Praktikantin unterstützte ich vor allem die Ingenieure mit technischen Zeichnungen oder dem Erstellen von Berichten und Kostenkalkulationen. Nach einer gewissen Zeit bekam ich sogar ein eigenes kleines Projekt. Das kleine Königreich Bahrain, was mit seinen 1,5 Millionen Einwohnern übrigens kleiner als Hamburg ist, betreibt Landgewinnung. Etwa 15 % der heutigen Insel sind aufgeschüttet. Neu erschlossene Gebiete erfordern natürlich auch neue Abwassersysteme. Meine spezielle Aufgabe bestand nun darin, eine Bevölkerungsanalyse sowie Prognose für ein zum Großteil aufgeschüttetes Landstück durchzuführen. Das diente wiederum als Grundlage zur Planung eines neuen Abwassersystems. Meine Ergebnisse durfte ich sogar dem Ministerium in Bahrain präsentieren (unserem Auftraggeber) – das alles übrigens in Englisch. ;)

Die Insel Bahrain ist durch ein sehr flaches Relief geprägt. Um das Gefälle der Abwasserkanäle aufrecht zu erhalten und möglichst nicht im Grundwasser zu bauen, ist eine niedrige Bauweise gebräuchlich. Dafür ist der Einsatz einer Vielzahl von Pump- und Hebewerken notwendig. Auf ca. 2.300 Kilometer Abwasserkanalnetz kommen etwa 500 Pump- und Hebestationen. Diese machen das bahrainische Abwassernetz im Vergleich zum Berliner Abwassersystem wartungs- und fehleranfällig.

Als Baustudentin waren die Gebäude, die sich zu der typischen bahrainischen Skyline aufreihen, für mich besonders spannend. Überall in der Stadt ragten Hochhäuser empor. Spätestens nachdem mein Apartment nach einem Starkregenereignis vollständig unter Wasser stand (und das im 11. Stock!), wurden mir die unterschiedlichen Anforderungen zwischen der deutschen und bahrainischen Bauweise bewusster.

Ebenso gab es viele spannende Themen zum bahrainischen Abwassersystem: Bahrain hat kaum Regenentwässerungssysteme, was sich während Starkregenereignissen als zunehmendes Problem darstellt. Durch den trockenen Boden kann das Wasser nur schlecht aufgenommen werden. Nach so einem Starkregenereignis muss somit die ein oder andere Straße ausgepumpt werden.

Am Ende meines Praktikums durfte ich sogar das zentrale Klärwerk in Tubli besuchen. Da das bisherige Klärwerk überlastet ist, muss es dringend ausgebaut werden. Die p2m berlin hat diesen Umbau geplant und begleitet ihn ebenso.

Bahrain war auf vielen Ebenen eine gute Erfahrung für mich. So konnte ich neben der Arbeit auch einen Teil der arabischen Kultur in Bahrain kennenlernen und konnte meine Englischkenntnisse verbessern. Ich lernte Bahrain als sehr multikulturellen, bequemen aber auch liebenswerten Ort zu schätzen. Zu meinem Glück umgaben mich viele Leute, die Freude daran hatten, mir die Insel zu zeigen. Ein paar Eindrücke folgen im Anhang.

So besuchte ich beispielweise die größte Moschee in Bahrain, fuhr durch die kleine Wüste Bahrains, welche voll von Ölrohren und Gastürmen bedeckt ist. Bahrain fördert seit 1932 Erdöl und war damit Vorreiter des Mittleren Ostens.

Meine Abende verbrachte ich im Souq (einem arabischen Markt), in Coffeshops oder einfach am Pool meiner Kollegen. Konzerte, Kinos, Feste, Ausstellungen und Strände machten mir das Leben in Bah-rain besonders schön. Besonderen Spaß machten mir dabei Aktivitäten wie Stand-Up-Paddling oder Beach-Clean-Ups. Als Ölstaat produziert Bahrain Plastikprodukte, die zum Teil auch im Persischen Golf landen. Für einige öffentliche Strände stellt das ein richtiges Problem dar. In meiner Freizeit traf ich mich häufiger mit einer Gruppe von Leuten, um öffentliche Gebiete aufzuräumen. Wir schwammen auf Inseln, besuchten Strände oder Farmen. Ein besonderes Highlight war für mich der Beschluss Bahrains, ab Juli 2019 den Einsatz von Plastiktüten zu minimieren. ;)

Unsere traditionelle Kennenlernfahrt

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