Ausbilderinterview

mit Rubertus Hollschewski

Ausbilder der Fachkräfte für Abwassertechnik, für Rohr-, Kanal- und Industrieservice und für Wasserversorgungstechnik
Rubertus Hollschewski

Zur Person

Was hast Du gelernt oder studiert?

Nach der Schule habe ich eine Ausbildung zum Baufacharbeiter gemacht. Da habe ich Mauern, Putzen und Betonieren gelernt. 1978 wurde ich Ausbilder für Bauberufe. Ein paar Jahre später machte ich meinen Meister im Hochbau und 1989 ein Studium zum Ingenieurpädagogen.

Wie lange bist Du schon im Unternehmen?

Seit dem 1. August 1989 war ich bei der Wasserversorgung und Abwasserbehandlung Berlin (WAB) in Berlin Ost beschäftigt. Dort war ich auch Ausbilder für die Instandhaltungsmechaniker.

Womit beschäftigst Du Dich gern in Deiner Freizeit? Welche Hobbys hast Du?

Am liebsten beschäftige ich mich mit meinem Haus und dem Garten. Da gibt es immer etwas zu tun. Außerdem spiele ich gern Billard und höre Musik (gerne auch Klassik).

Was ist Dein schönstes bzw. aufregendstes Erlebnis bei den Wasserbetrieben, dass Dir bis heute in Erinnerung geblieben ist?

Alle Jahre wieder gibt es für mich zwei Höhepunkte: Zum einen, wenn ich die neuen Azubis begrüßen darf - und zum anderen, wenn meine Azubis ihre Abschlussprüfungen bestehen und ich die Ehre habe, ihnen zu gratulieren. Dies ist für mich immer wieder ein sehr erhebender Augenblick! Noch schöner ist es natürlich, wenn die Jungfacharbeiter bei den Wasserbetrieben übernommen werden.

Gibt es ein Projekt, das Du durchgeführt hast, dass Dir besonders Spaß gemacht hat oder Dich besonders gefordert hat?

Die Ausbildung muss sich immer aktuell zum Stand der Technik weiterentwickeln. Dies bedeutet eine ständige Herausforderung für mich. Man glaubt es kaum, aber auch ich als Ausbilder muss ständig lernen. Ich habe quasi nie richtig ausgelernt. Es kommen immer wieder neue Dinge dazu.

Gab es auch Stolpersteine oder schwierige Herausforderungen?

Die Situation nach dem Mauerfall. Niemand wusste damals wohin der Weg hin führt. Ich musste mich entscheiden, ob ich zurück zum Bauwesen gehe oder bei den Wasserbetrieben bleibe und bei der Ausbildung zum Wasserver- und Abwasserentsorger mitarbeite. Ich hab mich für letzteres entschlossen und es nie bereut!

Was wolltest Du als Kind werden? Hattest Du einen Traumberuf als Du noch zur Schule gingst?

Als kleiner Junge habe ich den Arbeitern bei der Kanalreinigung fasziniert zugesehen. Ich dachte: „Das ist mein Traumjob!“. Später wollte ich Fernsehmechaniker werden. Hier hat mich mein Vater inspiriert. Er hat in seiner Kellerwerkstatt elektrische Geräte repariert. Für mich war also klar, dass ich einen handwerklichen Beruf ausüben möchte. Ein Bürojob kam nicht in Frage. Ich glaube mein Zeugnis war der Ausschlag, weshalb ich mich letztendlich für einen Bauberuf entschieden habe. Wobei mir die Ausbildung dazu auch viel Spaß gemacht hat.

Vorausgesetzt es wäre möglich, welchen Rat würdest Du nach heutigem Wissensstand Deinem jüngeren Ich geben?

Gib dir mehr Mühe in der Schule und lerne! Mach die Hausaufgaben ordentlich und bereite dich besser auf deine Klassenarbeiten vor. Streben ist etwas Gutes, würde ich sagen. Die Schulzeit war für mich eher Spaß.

Zum Beruf

Was lernen die Azubis bei Dir?

Umwelttechnische Berufe. Bei mir kann man eine Ausbildung zur Fachkraft für Wasserversorgungstechnik machen. Die Azubis lernen, was alles zu einem Wasserwerk gehört. Sie erfahren alles über die Pumpen und Armaturen, wie man Wasserproben nimmt und diese untersucht.

Auch eine Ausbildung zur Fachkraft für Rohr-, Kanal- und Industrieservice kann man bei mir absolvieren. Hier lernen die Azubis wie man Kanäle inspiziert und repariert. Sie erfahren außerdem, wie man die Kanalinspektionskamera und den Inspektionsroboter steuert.

Wer Fachkraft für Abwassertechnik lernen möchte, ist bei mir auch richtig aufgehoben. Hier lernt man alles rund um das Klärwerk. Von Pumpen und Armaturen, über das Überwachen von automatischen Prozessen, bis hin zu Abwasserprobenahmen und deren Untersuchungen.

Welche Talente und Vorlieben sollte man für diese Ausbildungsberufe mitbringen?

Man sollte Interesse für Technik, sowie gute Kenntnisse in den naturwissenschaftlichen Fächern mitbringen. Außerdem sollte man eine gute Einstellung zum technischen Umweltschutz sowie ein Umweltbewusstsein haben.

Nach welchen Kriterien wählst Du Azubis aus? Auf was achtest Du bei der Auswahl der zukünftigen Auszubildenden speziell?

Ich erkundige mich immer, ob die Azubis auch wirklich wissen, was sie bei diesem Beruf erwartet. Mir ist es wichtig, dass sie sich mit dem Beruf identifizieren können. Außerdem achte ich auf die Schulnoten und Fehlzeiten. Zuverlässigkeit und Teamfähigkeit sind mir sehr wichtig. Ich freue mich auf jeden, der solide Grundkenntnisse aus der Schule mitbringt, obendrein eine positive Einstellung zum Beruf hat und motiviert ist, auch den umwelttechnischen Teil des Berufes kennenzulernen.

Zum Unternehmen

Stell Dir vor, Du fragst unsere ehemaligen Auszubildenden, was ihnen während der Ausbildung am besten gefallen hat. Was glaubst Du, würden sie antworten?

Es herrscht eine gute Arbeitsatmosphäre im Unternehmen. Nicht nur unter den Azubis im Ausbildungszentrum, sondern auch auf den Außenstellen. Die Mitarbeiter geben gerne ihr Wissen weiter.

Was würdest Du zukünftigen Auszubildenden mit auf den Weg geben, um ihnen die Arbeit bei den Wasserbetrieben zu erleichtern?

Man sollte immer zeigen, dass man Interesse an der Ausbildung und dem Beruf hat. Mit Pünktlichkeit, Teamfähigkeit und Zuverlässigkeit zeigt man seine Motivation und Kollegialität.

Warum sollten junge Menschen bei den Wasserbetrieben in die Arbeitswelt starten? Was zeichnet uns aus?

Diese Frage ist leicht zu beantworten. Stellt man sich nur das alte Berlin von vor über 100 Jahren vor: es gab kein Wasserwerk, kein Trinkwasser aus dem Wasserhahn. Zum Duschen musste man auf den Hof zur Pumpe gehen. Es gab keine Kanäle zur Abwasserableitung. Überall roch es und man sah dreckige Rinnsteine, Flüsse und Seen in der Stadt. Es gab keine Klärwerke, keine Toiletten in der Wohnung. Das Plumpsklo auf dem Hof wurde von vielen Anwohnern genutzt. Eine Situation, die heute undenkbar wäre!
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